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Wer ist Julia Eder

Ein Text von Christof Eder

Als ich aufwachte roch es nach frisch gebrühtem Kaffee und der Morgenluft einer blühenden Wüstenlandschaft.

„Guten Morgen Liebling, der Kaffee ist noch warm und das Croissant liegt draußen für dich neben dem Tablet.

Lass es dir schmecken. Ich bin beim Joggen und solange kannst du einen Prolog über mich schreiben !?

Nichts Großes, eine Seite reicht, aber mach keinen Roman daraus und  lass noch Platz für ein Bild – bussal"

Unübersehbar, der Zettel am Tisch mit einer klaren Anweisung.

Geht das überhaupt? Kann man Julia auf so wenig Platz beschreiben? 

Und nur einen Kaffee?

 

Sie ist nur 157 cm groß aber ihre Anziehungskraft und Wirkung auf Menschen ist definitiv unproportional zu ihrer Masse, das steht fest. Spontan fällt mir der Fahrer von Wien nach Niederbayern ein, welcher nach Jahren auf einmal vor der Tür stand und sich herzlichst für die Initialzündung in seinem Leben bedankt hatte.

Wie beschreibt man jemanden, dessen Seele noch vor der Geburt so stur war, dass sie es schaffte als viertes Kind, nach drei Fehlgeburten zu bestehen um schließlich als Julia, an Silvester ‘87 zur Welt zu kommen?

So mancher würde es Zielstrebigkeit nennen und auch ich halte meine Frau für sehr Zielstrebig, aber der Akt der Zusammenführung der Seele mit dem Körper ist sicher auf Julias zweite große Stärke zurückzuführen, die Sturheit.

Der Tribut dieses Durchsetzungsvermögen sollte eine ganz besondere genetische Disposition sein und eine ganze Reihe weiterer Besonderheiten, im Vergleich zu uns „normalen“ Menschen.

Als Kind eher kränklich und schwach musste sich die kleine Julia immerzu anhören,

dass sie nicht anwesend zu sein scheint und oft wenig Interesse an dem geschriebenen Wort in der Schule zeigte.

Mit dem Ziel eine Lodge zu gründen zog die Familie aus dem niederbayerischen Landshut in den dünn besiedelten Speckgürtel von Windhoek/Namibia. Damals war Julia zehn Jahre alt und hatte zum Zeitpunkt der Auswanderung ständige Probleme mit Entzündungen und Beschwerden die meist mit der Verdauung zusammenhingen.

Als kurz darauf Julias Mandeln entfernt werden mussten und sich ihr Gesundheitszustand nach dem Eingriff rapide verbesserte, dachten ihre Eltern, mit den Mandeln die Ursache für die vorangegangenen und zumeist diffusen Beschwerden gefunden zu haben.

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Nach Südafrika und Mosambik ging es über Umwege nach Deutschland und dann schließlich in meine Arme.

Fast gleichzeitig brachte aber ihr Körper immer mehr Symptome auf und Julias Bedarf an Ruhepausen überschritt rasch die 12 Stunden Marke, doch trotzdem war sie immer so müde.

Nachdem die moderne Medizin zielstrebig im Dunkeln stocherte und nur imstande war ihr zur Symptombehandlung die branchenüblichen Opioide zu verschreiben passierte es dann,

als die Ärzte sie nach Monaten als süchtig bezeichneten und am liebsten erstmal in ein Bezirkskrankenhaus eingewiesen hätten, platze meiner Frau der Kragen. 

Bei der lautstarken Auseinandersetzung in der Praxis, welche ihr zuvor Tilidin verschrieb aber es jetzt wagten, sie als süchtig zu bezeichnen, schrammte Julia mit ihrer Wortwahl nur knapp an ihrer sonst unüberwindbaren englischen Höflichkeit vorbei. 

Nach diesem Arztbesuch machte mein Sturkopf einen unangenehmen Entzug durch und schloss mit der westlichen Vorgehensweise im sogenannten Gesundheitssystem endgültig ab.

 

Dies war der Beginn des langen und beschwerlichen Weges der Heilung. 

Freunde und Bekannte wurden weniger, die Diagnosen wurden  immer mehr und jedes Jahr während draußen die Blätter fielen, wuchsen unsere Sorgen um ihre Gesundheit. 

Die Ansätze der modernen Medizin waren lächerlich und zeigten einmal mehr auf, wie es um die Heilung steht, wenn man die „Götter in weiß“ vor komplexe Zusammenhänge und Symptome stellt.

 

Gemeinsam machten wir uns auf die Suche, um erst einen gemeinsamen Nenner zu finden. Hier gingen wir nach dem Ausschlussprinzip vor.  Doch es schien als würde Julias Körper ein Katz und Maus Spiel mit uns spielen, denn mit jeder neuen Jahreszeit stellte er uns vor neue Herausforderungen.

Es musste schnell ein neuer Ansatz her, weil der Gewichtsverlust in den Wintermonaten von Jahr zu Jahr schlimmer wurde, wir aber noch viele Jahre zusammen verbringen wollten.

Nachdem meine eigentlich so lebensfrohe Frau, schon lange keine Gesellschaft mehr vertrug, blieb ihr nur ihre Zielstrebigkeit als Antrieb um diesen erbärmlichen Zustand zu beenden. Das langfristige Ziel war immer klar; sie will ihr selbstbestimmtes Leben zurück!

Die Winter gingen ins Land, bis wir im Jahr 2017, nach etwa zehn Jahren, auf das Krankheitsbild einer Neuro-Immunulogischen-Multisystemerkrankung, namens MCS (Multiple Chemikalien Sensitivität) stießen.

 

Bei einer MCS und den Folgen eines neurologischem Traumata ist der Faktor Zeit ein entscheidender Wert im Hinblick auf eine vollständige Genesung.

Wir stürzen uns nochmal, voll motiviert in Fachliteratur und endlose Vorträge zum  Thema Umweltgifte, moderner Lebenswandel, Lebensmittelintoleranzen und die Auswirkungen auf dem Körper.

Als Nebenprodukt entstand unser Ratgeber für Histamin intolerante Menschen namens HISTAMIN HYSTERIA.

Einige weitere Sachen entstanden auf dem Weg zur Heilung, doch wir verloren unser Ziel niemals aus den Augen.

 

Das Wissen zu haben ist die eine Sache.

Es zielführend umzusetzen, eine andere und so dauerte es noch einige Zeit bis Julia mit einem Riesensprung den Weg zurück ins Leben fand.

Meine Frau  hätte das Wort  „Roman“ nicht verwenden sollen, dachte ich schmunzelnd und setzte mich in die Morgensonne um auf einer einzigen Seite, einen so komplexen Menschen zu beschreiben...

Ihr muss klar gewesen sein, dass es nicht machbar ist – also bitte, sie kennt mich doch!

Freilich kann ich meine Frau hier nicht Vorstellen wie ein Marktschreier an einem Samstagmorgen aber

ich sehe mich durchaus in der Verantwortung, wissenswertes und nötiges über die Autorin dieses Kurses preiszugeben und gleichzeitig die Leser mit einigen lockeren Zeilen auf den bevorstehenden Kurs einzustimmen.

 

Wenn Sie diese Zeilen tatsächlich Lesen können, habe ich es mit meiner Kurzgeschichte in den Kurs geschafft.

Ich versichere Ihnen das hat nichts mit dem Essen zu tun, welches ich als Argument zum Verbleib, dieser Zeilen im Kurs ins Spiel gebracht habe.

 

Der Ehemann